Wertvolle Orte - Angedacht von Pn. Annette Lehmann

08. Juni 2026
20260608_Kirchplatz

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Einbrüche in die Peter und Paul Kirche in Schneverdingen. Geld ist dort nicht zu holen, denn Spenden, werden immer sofort verschlossen. Die Fernbedienung der Glocken wurde geklaut. Die Funkverbindung ist nun gekappt, so hat sie für den Dieb keinen Wert. Für die Gemeinde ist es ein ärgerlicher Verlust. Die notwendig gewordenen Reparaturen an den Einstiegsstellen und im Kirchraum sind lästig, kosten unnötig Geld und Nerven.

Ratlos stehen Polizei und Gemeinde vor den Fragen: Wer beschädigt Kirchen? Und warum? Es sind Räume, die dafür da sind, dass die Gemeinde einen Ort hat, an dem sie sich versammelt, zum Singen und Beten. Räume, in denen Gottesdienste gefeiert werden. Räume voller Geschichte, in denen Menschen Ruhe finden und beten können.

Zeit und Energie fließen in die Diskussionen, wie die Kirche zu sicher ist. Hoffentlich kehrt dadurch wieder Ruhe ein, damit das Engagement wieder ganz in die Gestaltung und das Feiern des gemeinsamen Gemeindelebens gehen kann. Es wird wohl dauern, bis das Gefühl vollständig verschwindet, dass dieser Ort beschädigt ist, verletzt.

Dabei brauchen wir solche Orte so sehr. Gerade wenn wir in die Welt sehen, Krisen und Kriege wahrnehmen und Kraft tanken wollen. Kraft, damit wir in der Welt weiter das Gute suchen und mitgestalten können. Wie sehr Kirchen als solche Orte geschätzt werden, erlebt man in den Begegnungen mit denen, die hier einkehren und man kann es nachlesen in den Gästebüchern, die ausliegen. In der vergangenen Woche war es auch in der heftigen öffentlichen Diskussion zu spüren, die aufkam, als bekannt wurde, dass der Kölner Dom in Zukunft Eintritt für touristische Besucher erheben wird. In vielen großen Kirchen in der Welt ist das schon lange üblich. Die Kosten für die Bauunterhaltung müssen finanziert werden. Für den Besuch zu Gottesdiensten und Gebeten bleibt der Eintritt selbstverständlich frei. Dennoch schlug die Diskussion weit über Köln hinaus hohe Wellen. In vielen Beiträgen, die gegen die Eintrittsgebühr argumentieren, wird spürbar, dass auch Menschen, die auf den ersten Blick als Touristen in Kirchen kommen, den Raum keineswegs ausschließlich als museales Gebäude erleben. Es ist die Ahnung: hier weht ein anderer Geist. Über manchem Kircheneingang steht der Vers „HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ (Psalm 26,8). Gut, wenn das spürbar ist in unseren Kirchen: hier ist das Haus Gottes, hier wohnt seine Ehre. Wir  lernen das wohl neu schätzen, wenn der Eingang vorübergehend aufgrund von Sicherungsmaßnahmen gesperrt ist, oder wir über den kostenlosen Zugang diskutieren müssen. Am Sonntag feiern wir in den Kirchen wieder Gottesdienste. Gut, wenn wir auch im Alltag immer wieder Station machen an und in den Kirchen. Hier vor Ort bei unseren und bei denen, an denen wir auf Reisen vorbeikommen. Es sind Orte, die uns beschenken wollen, mit der Ruhe und dem Geist der hier weht. Hier können wir Kraft tanken und sie mitnehmen für unseren Weg durch diese Welt.

Dass wir das immer neu erleben, wünsche ich uns!

Annette Lehmann